Micron Document
<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Logophorizität</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Logophorizit%C3%A4t"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Logophorizität rootpage-Logophorizität skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Logophorizität</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Logophorizität</b> (moderne Wortbildung aus <a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">griech.</a> λόγος logos, „Wort“ und φέρειν pherein, „tragen“) bezeichnet in der <a href="Sprachwissenschaft" title="Sprachwissenschaft">Sprachwissenschaft</a> das Phänomen, dass der Bezug von <a href="Personalpronomen" title="Personalpronomen">Personal-</a> und <a href="Reflexivpronomen" title="Reflexivpronomen">Reflexivpronomen</a> (und ggf. anderen Wortarten) davon abhängen kann, aus wessen Perspektive ein Sachverhalt geschildert wird. Der Begriff bezieht sich vor allem darauf, dass das perspektivische Zentrum in einem Satz oder Text verschoben werden kann, so dass nicht mehr die Perspektive des Sprechers ausschlaggebend ist. Der Bezug eines <b>logophorischen Pronomens</b> ist dann die Person, auf deren Perspektive der Kontext „zentriert“ ist – d.&nbsp;h. die Person, deren Äußerungen, Gedanken oder Wahrnehmungen berichtet werden.
</p><p>Wenn eine Sprache logophorische Pronomen besitzt, kann sie also einen Kontrast ausdrücken, ob sich ein Pronomen der dritten Person in der <a href="Indirekte_Rede" title="Indirekte Rede">indirekten Rede</a> auf den Urheber der wiedergegebenen Äußerung oder auf eine andere Person bezieht. Anstelle von eigenständigen logophorischen Pronomen gibt es in einigen Sprachen auch logophorische Verwendungen von <a href="Reflexivpronomina" class="mw-redirect" title="Reflexivpronomina">Reflexivpronomina</a>, die nicht den üblichen grammatischen Regeln für Reflexiva folgen, da sie kein Bezugswort innerhalb desselben Satzes haben.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Logophorische_Personalpronomen">Logophorische Personalpronomen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Indirekte_Rede">Indirekte Rede</h3></div>
<p>Eigenständige logophorische Pronomen, die im Kontrast zu normalen <a href="Personalpronomen" title="Personalpronomen">Personalpronomen</a> stehen, gibt es zum Beispiel in einer Reihe afrikanischer Sprachen. Im Donno So, einer Sprache aus der <a href="Dogon_(Sprache)" title="Dogon (Sprache)">Dogon-Familie</a>, findet sich folgender Kontrast:<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>Logophorisches Pronomen (LOG) in indirekter Rede:</li></ul>
<pre><i>Oumar Anta <b>inyemɛn</b> waa be gi</i>
Omar Anta LOG-acc gesehen hat sagte
„Omar sagte, dass Anta <i>ihn</i> (=Omar) gesehen hat.“
</pre>
<ul><li>Normales Personalpronomen in indirekter Rede:</li></ul>
<pre><i>Oumar Anta <b>won</b> waa be gi</i>
Omar Anta PRON3sg-acc gesehen hat sagte
„Omar sagte, dass Anta <i>ihn</i> (=jemand ganz anderen) gesehen hat“
</pre>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Abgrenzung_zur_Kategorie_Obviativ">Abgrenzung zur Kategorie Obviativ</h3></div>

<p>Das obige Kontrastbeispiel ähnelt den Beispielen, die in einigen Sprachen die Kategorie des <a href="Obviativ" title="Obviativ">Obviativs</a> charakterisieren. Beim Obviativ geht es jedoch nur um die Frage, ob ein Pronomen der dritten Person referenzgleich mit einem vorhergehenden Pronomen ist oder nicht. Bei logophorischen Pronomen geht es dagegen um den inhaltlichen Faktor, auf wessen Sicht der gesamte Text ausgerichtet ist. Logophorische Pronomen unterscheiden sich von einem Obviativ-System dadurch, dass sie typischerweise mit dem Phänomen der indirekten Rede verknüpft sind; ferner spielt bei ihnen die Existenz eines weiteren Pronomens der dritten Person oder die Distanz zum Bezugswort keine Rolle.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Reflexivpronomen_als_logophorische_Pronomen">Reflexivpronomen als logophorische Pronomen</h2></div>
<p>Ein Beispiel für eine Sprache mit logophorischem Gebrauch von Reflexivpronomina ist das <a href="Isl%C3%A4ndische_Sprache" title="Isländische Sprache">Isländische</a>. Das Reflexivpronomen <i>sig</i> im dritten Satz des folgenden Textes<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> steht völlig frei; im Deutschen wäre es mit einem Personalpronomen zu übersetzen, im Isländischen aber hat das Pronomen die reflexive Form, weil es sich auf die Person zurückbezieht, deren Perspektive ab dem zweiten Satz des Textes wiedergegeben wird – ab hier erscheint auch der Konjunktiv, der indirekte Rede kennzeichnet (es werden allerdings die Gedanken der genannten Person wiedergegeben):
</p>
<ul><li>Kontext:</li></ul>
<pre><i><b>Formaðurinn</b> varð óskaplega reiður. Tillagan væri svívirðileg.</i>
Der Vorsitzende wurde furchtbar wütend. Der Vorschlag wäre unerhört.
</pre>
<ul><li>Fortsetzung (logophorisch): Das Reflexiv <i>sér</i> bezieht sich auf <i>formaðurinn</i> / der Vorsitzende.</li></ul>
<pre><i>Væri henni beint gegn <b>sér</b> persónulega? </i>
Wäre ihr gezielt gegen <b>sich</b>(dat.) persönlich?
</pre>
<p>Dasselbe Phänomen findet sich bei Reflexiva, die in einem <a href="Nebensatz" title="Nebensatz">Nebensatz</a> stehen und im Gegensatz zu normalen Reflexiva ein Bezugswort weit außerhalb des Nebensatzes haben:<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre><i><b>Haraldur</b> segir að Jón komi ekki nema Maria kyssi <b>sig</b>.</i>
Harald sagt dass Hans komme nicht außer Maria küsse „sich“
'Harald sagt, dass Hans nicht kommt, es sei denn Maria küsst <b>ihn</b>(=Harald).'
</pre>
<p>Das Pronomen <i>sig</i> als Objekt von „küssen“ kann sinnvollerweise kein normales Reflexivum mit Bezug auf <i>Maria</i> sein. Ein Bezugswort außerhalb desselben Nebensatzes kann ein Reflexivum aber nur bei logophorischem Gebrauch haben. Dann kommt als Bezugswort nur <i>Harald</i> in Frage, da er das Subjekt des Verbs <i>sagen</i> ist; dieses Verb bewirkt hier eine Verschiebung der Perspektive. Ein Bezug auf <i>Jón / Hans</i> ist grammatisch nicht möglich, obwohl <i>Jón</i> dem Reflexivum näher steht; er bildet aber kein „logophorisches Zentrum“, d.&nbsp;h. kein Subjekt einer Äußerung oder Wahrnehmung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Räumliche_Perspektive"><span id="R.C3.A4umliche_Perspektive"></span>Räumliche Perspektive</h2></div>
<p>Ein verwandtes Phänomen, das es auch im Deutschen gibt, ist die Verschiebung der räumlichen Perspektive bei Berichten über Wahrnehmungen anderer Personen. Hier tritt auch im Deutschen (das keine logophorischen Reflexiva im eigentlichen Sinne kennt) der Effekt auf, dass die verschobene Perspektive durch ein Reflexiv gekennzeichnet wird:<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre>a. <i>Man sieht eine Frau, die auf ein Bild <b>hinter ihr</b> schaut.</i>
(mögliche Deutung: Das Bild ist vom Sprecher des Satzes aus gesehen weiter im Hintergrund)

b. <i>Man sieht eine Frau, die auf ein Bild <b>hinter sich</b> schaut.</i>
(Deutung: Das Bild ist von der Frau aus gesehen in ihrem Rücken)
</pre>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Christopher Culy: <i>The logophoric hierarchy and variation in Dogon</i>. In: Tom Güldemann, Manfred von Roncador (eds.): <i>Reported Discourse: A meeting ground for different linguistic domains.</i> John Benjamins, Amsterdam 2002. S. 201–210. (zitiertes Beispiel S. 201)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Beispiel aus: Peter Sells: <i>Aspects of logophoricity.</i> In <i>Linguistic Inquiry</i>, 18 (1987), S. 445–479. Die dort abgedruckte, nichtexistierende Form „avívirðileg“ wurde geändert.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Beispiel aus: Höskuldur Thráinsson: <i>Reflexives and Subjunctives in Icelandic.</i> Proceedings of NELS 6. University of Massachusetts, Amherst 1976, S. 225–239.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Ins Deutsche übertragen nach einem Beispiel in: S. Sundaresan, H. Pearson: <i>Formalizing linguistic perspective: insights from spatial anaphora.</i> Ms., 2014 <a rel="nofollow" class="external text" href="https://ling.auf.net/lingbuzz/002270/current.pdf?_s=wFr8oe-QgrsV6WFG">via Lingbuzz</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-11-07" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Logophorizit%C3%A4t&amp;oldid=261337857">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>

</body></html>